Der Tag an dem Holland nicht Weltmeister wurde
Eigentlich sprach vieles dafür. Dafür, dass Deutschland Weltmeister wird. Die grandiosen Leistungen gegen Australien, England und Argentinien. Das wunderbare Spiel, dass unsere Mannen spielten. Thomas Müller, Arne Friedrich, und und und…
Das Netz brachte weitere Beweise hervor, die einen Sieg Deutschlands belegten. Unter anderem diese mathematisch hübsche Grafik (via Nerdcore)
Allerdings gab es einen, der – könnte er um Geld wetten – jetzt sicherlich um ein hübsches Sümmchen reicher wäre, mit seiner einhundertprozentigen Sicherheit, die Spielergebnisse vorherzusagen. Die Rede ist von Paul dem Oktopus. Er sagte einen Sieg Spaniens gegen Deutschland voraus und behielt recht. Seine zuverlässigen Vorhersagen bescherten ihm einen eigenen Song von Parry Gripp (Vorsicht Ohrwurm).
Auch die obige Grafik wurde an den Einfluss von Paul angepasst (auch via Nerdcore). “The Oktopus Interference".
Nun gut. Deutschland wird also nicht Weltmeister, dann können wir doch wenigstens den Holländern die Daumen drücken, dass sie die Unbesiegbarkeit der Spanier widerlegen. Darum fuhren wir am Sonntagabend nach Arnheim um einen eventuellen WM-Sieg mal mit dem feierndem Volk mitzubekommen. Zweite und dritte Plätze kennen wir hier ja jetzt schon. Wie das Spiel ausging, war ja eigentlich vorher schon klar, sagte Paul doch einen Sieg Spaniens voraus. Das Spiel an sich fand ich allerdings furchtbar langweilig. Es wurde nur hin und her gekickt, während es gelbe Karten regnete. Spannende Spielmomente? Fehlanzeige. Die Spanier spulten ihre Standards ab, währen die Oranjes versuchten, die spanische Wand zu durchbrechen. Die einzigen nennenswerten Szenen waren die, in denen Arjen Robben alleine vorm spanischen Torhüter stand und leider versagte. In der Nachspielzeit drehten die Spanier dann auf und gewannen verdient.
Interessant war es, mal mitzubekommen wie im Nachbarland Holland die WM zelebriert wird. Der erste Eindruck: Laut. Nicht wegen Vuvuzelas oder anderer Krachtröten, die gibt es auch hier. Nein, offensichtlich sind die Holländer schlagerverrückt. Beim öffentlichen Fußball gucken (auch Public Viewing genannt) in Deutschland bin ich es gewöhnt, dass bis zu einer Viertelstunde vor Spielbeginn Musik aus den Lautsprechern schallt. Aber zu einer Lautstärke bei der man sich noch unterhalten kann, ohne zu befürchten, am nächsten Tag heiser zu sein. In Holland scherte man sich jedoch nicht um die Diskussion vor dem Spiel. In jeder Minute in der kein Fußball gespielt wurde, dröhnte die Musik und alle gröhlten mit. Die meisten der Melodien waren mir sogar bekannt, da es sich um deutsche Gassenhauer handelte, die einfach auf holländisch neu vertont wurden.
Außer der Musik fiel mir auf, dass unsere Nachbarn scheinbar unheimlich gerne mit Dingen schmeißen. Neben Trägern für Plastikbechern und Luftballons flogen Unmengen von (vollen) Bierbechern durch die Gegend. Bei einem Preis von 1,90 für so einen 0,2 Becher wäre mir das ja zu teuer. Außerdem gab es in der Regel nie einen Anlass. Die Dinger wurden einfach so durch die Gegend gepfeffert. Als mein Stehnachbar sich einen Döner kaufte, war ich echt froh, dass die Holländer in der Zeit wo er den verspeiste, kein Tor schossen. Sonst wär ich wahrscheinlich voller Tsatsiki nach Hause gefahren.
Insgesamt war es mal eine Erfahrung. Aber ich glaube in Zukunft schau ich mir holländische (End-) spiele lieber doch gemütlich in der heimischen Kneipe an und fahre außerhalb der Fußballsaison in unser schönes Nachbarland. “Hup Holland Hup” hat leider nicht geklappt. Stattdessen haben die Spanier ihren ersten Stern nach Hause gebracht (da kann man übrigens auch schön Urlaub machen).
